Prof. Dr. Gerrit Heinemann: „Der Kunde kommt mit Handy“

Gleich ein ganzes Feuerwerk an – wissenschaftlich erprobten – Ideen für den lokalen Einzelhandel gab es beim Februar-Clubabend mit MC-Gründungsmitglied und E-Commerce-Spezialist Prof. Dr. Gerrit Heinemann. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie kann das Geschäft vor Ort vom ungebrochenen Trend des Online-Handels profitieren?

Gleich zu Beginn stellte Prof. Heinemann, Leiter des eWeb-Research Centers der Hochschule Niederrhein, die These auf, dass der lokale Einzelhandel die aktuellen Kundenerwartungen derzeit in keiner Weise erfülle – zum Teil sogar eine „Digital-Allergie“ habe. Als Beleg dafür dienten zahlreiche Studien. So bieten zwar derzeit 84 % der Top 25 der deutschen Non-Food-Händler einen Online-Shop an, allerdings seien nur zwei Drittel der Shops auch für das Smartphone optimiert.

Noch schockierender war allerdings ein anderes Studienergebnis: Nur rund ein Drittel aller Händler in Deutschland sind überhaupt im Internet präsent. Dabei biete gerade die Kombination von Online-Angebot und dem Ladenlokal vor Ort enormes Wachstumspotenzial, erklärte der Experte.

Das habe auch bereits Amazon erkannt, so Prof. Heinemann. Als Beleg zeigte er Fotos von stationären Amazon-Stores in Amerika, die der neuste Trend seien. „Die Kunden bestellen im Internet – und holen sich ihre Ware dann bei Ihnen vor Ort ab, wo sie im Geschäft auch einen persönlichen Ansprechpartner haben.

Genau dies sei ja von Hause aus die Stärke der örtlichen Einzelhändler, so der Referent. Umso unverständlicher sei es für ihn, dass viele Fachgeschäfte diese Trumpfkarte beim Kunden nicht ausspielen würden, nur, weil sie ihm online nicht entgegen kämen. Dabei sei es selbst für kleine Geschäfte so einfach, einen Online-Shop einzurichten. Als Beispiel demonstrierte Prof. Heinemann ein Projekt der Einzelhändler der Stadt Mönchengladbach, die über Ebay ein gemeinsames Internet-Portal initiiert haben.

Im Online-Shop könne der Kunde -  egal, wie groß das Geschäft sei – seinen Einkauf vorbereiten. Das spiele laut Untersuchungen bei 28 % aller Einkäufe eine große Rolle. Rund ein Viertel der Käufe werde dann auch komplett online abgewickelt – aber eben nur ein Viertel. Drei Viertel der Einkäufe würden im stationären Handel bei den Kunden vor Ort beendet – vor allem, weil das Produkt dort sofort mitgenommen werden könne. Denn: „Der Kunde möchte nicht warten“, so die Untersuchungsergebnisse der Hochschule Niederrhein.

Daher sei die Möglichkeit, ein Produkt online zu bestellen und es sich in die lokale Filiale liefern zu lassen, ein zukunftsfähiger Vertriebsweg für den Einzelhandel, erklärte der Experte. Ein weiteres Schlüsselangebot sei das sogenannte „Click & Collect“: die Zusammenstellung eines Warenkorbs in einem Geschäft, den der Kunde dann eine Stunde später abholen kann.